Liebesbekenntnis während der Zeremonie

Besonders schön ist es jeweils, wenn das Traupaar das Wort ergreift.

Während das Eheversprechen ein Blick in die Zukunft ist (“was will ich für dich sein?”), ist die Wortmeldung ein Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart. Eheversprechen sind meist identisch während die Liebeserklärung individuell verfasst sind.

Abgesehen davon sind dem Inhalt einer Liebeserklärung kaum Grenzen gesetzt. Auch wenn es vielleicht kitschig klingt: Was von Herzen kommt, ist immer richtig.

Trotzdem zwei kleine Anmerkungen:

1. Humor, insbesondere Ironie, wird nicht von jedermann verstanden. Was man selber lustig findet, wird drum nicht immer von allen Anwesenden verstanden. Mancher mag sich sagen: Das ist mir egal, solange es nur mein Partner versteht. Und gut eingesetzter Humor bringt die Leichtigkeit, die man sich von einer Liebeserklärung wünscht. Andere wiederum meiden Humor während der Liebeserklärung, weil sie - nicht ganz zu unrecht - finden, dass Witzigkeit die Bedeutung der anderen Worte schmälert. Ich kann beides nachvollziehen. Am Ende sollte jeder selber entscheiden, ob und wieviel Humor in seiner Wortmeldung Platz finden soll.

Doch wie formuliert man nun ein berührendes Eheversprechen? Grundsätzlich gelten dieselben Regeln wie bei jeder guten Rede - und auch bei der Wortmeldung der Trauzeugen: Anekdoten sind besser als Adjektive.

Eine wichtige Regel im kreativen Schreiben heisst: Show don’t tell! Mit anderen Worten: behaupte nicht nur, dass dein Partner liebeswürdig und grosszügig (Adjektive) ist. BEWEISE es. Wie? Ganz einfach: mit einer kleinen Geschichte - und sei es nur ein einziger Satz.

Zum Beispiel:
”Ich liebe an dir, dass du - obwohl ich vorher noch sage, dass wir heute kein Trinkgeld geben, weil die Bedienung miserabel war - du trotzdem einen Fünfliber auf dem Tisch liegen lässt.”

Tönt doch besser als “Du bist so grosszügig”, nicht wahr?

Ein besonders berührendes Beispiel einer Wortmeldung einer Braut habe ich noch genau in Erinnerung:
”Als vor zwei Jahren meine Mutter starb, habe ich die Welt und mich selber nicht mehr gerne gehabt. Ich war unerträglich und am liebsten wäre ich mir selber fortgelaufen. Dass du in dieser Zeit scheinbar unerschütterlich an meiner Seite gestanden bist, war für mich der Beweis: Du bist der Mann meines Lebens.”

Es muss nicht immer so dramatisch sein und man wünscht natürlich niemandem, dass er überhaupt so schlimme Dinge wie den frühen Krebstod der eigenen Mutter erlebt. Wenn es einem aber gelingt, gerade Brüche im eigenen Leben in die Wortmeldung einzubetten, ist das aber natürlich besonders bewegend.

Ich rate “meinen” Paaren jeweils, dass sie folgenden Satz sechs bis acht Mal vervollständigen sollen:

”Ich schätze und liebe an dir, dass Du…”

Dabei sollte auf Adjektive verzichtet werden oder eben zumindest “anekdotisch untermauern”.

”Ich schätze” bezieht sich dabei auf äusserliche, alltägliche Sachen:
”Ich schätze an dir, dass du nach sechs Jahren gelernt hast, wo getragene Socken hingehören.”

”Ich liebe” betrifft dann die inneren Werte:
”Ich liebe an dir, dass auch wenn es dir schlecht geht du gegenüber Fremden zu jeder Zeit freundlich und zuvorkommend bist.”
”Ich liebe an dir, wie du dir trotz aller beruflichen Hektik immer die Zeit nimmst, mit unserer Tochter zu spielen.”


Ein kleiner Tipp noch: Vielleicht wollt ihr - in the heat of the moment - dem Partner sagen, dass Ihr ein Kind von ihm beziehungsweise mit ihm haben wollt. Das würde ich unterlassen. Denn wenn es dann nicht sofort klappt oder wenn ihr später die Pläne ändert, werdet ihr noch jahrelang eine mit breitem Grinsen vorgetragene Frage zu hören bekommen: “Und…???”

Aber auch hier gilt: Ich gebe nur Tipps. Wer bin ich denn, um Verbote zu formulieren. :-)

Grundsätzlich kann ich - nach über 300 Trauungen sagen: Bisher hat noch kein Paar bereut, ein Liebesbekenntnis abgegeben zu haben. Die Vorbereitung mag mühsam und der Vortrag fast unerträglich sein, weil man so nervös ist: Es ist und bleibt einer der absoluten Höhepunkte jeder Zeremonie. Und auf absolute Höhepunkte sollte man im Leben grundsätzlich nicht verzichten, nicht wahr? ;-)