Der Musik-Leitfaden für die perfekte Freie Trauung

Die schönste Musik an einer Trauung ist immer live. Die grässlichste Musik an einer Trauung aber auch! :-)

Wenn Musiker ihr Handwerk verstehen, ist Live-Musik unschlagbar. Wenn aber der Vater der Braut seit 20 Jahren nicht mehr Geige gespielt hat, aber “für diesen besonderen Tag nochmals spielen will”, ist das nicht immer eine gute Idee. Denn es gibt nur eine Menschengruppe, die sich falsche Töne leisten kann: Kinder. Da ist es süss, wenn sie die Töne nicht treffen. Danach verfliegt der Charme des Laienhaften.

Live-Musik ist natürlich immer auch eine Budget-Frage: ich selber rate IMMER zu Musik. Wenn aber das Budget knapp ist, zögere ich nicht, dem Paar zu Musik ab CD respektive ab Speicherkarte zu empfehlen. Das ist dann vielleicht nicht immer gleich beeindruckend. Aber wenn man einen zweitklassigen Sänger an einer Freien Trauung zuhören muss, wie er einen Song von Leonard Cohen zerlegt, ist das sehr, sehr unschön. Dann hört man lieber gleich das Original.

Ich selber rate übrigens immer zu drei bis fünf Musikstücken - am liebsten sind mir vier. Das erste Lied spielt selbstverständlich zu Beginn der Trauung - zum Einzug der Braut (oder - im Falle eines gemeinsamen Einzugs - des Brautpaars). Die Trauung selber lasse ich am liebsten zweimal von Musik unterbrechen. Denn egal wie schön meine Worte sind: Zuhören ist ein intellektueller, eher anstrengender Akt und die Tränen kullern meistens erst wenn Musik erklingt. Das letzte Lied rundet die Hochzeitszeremonie ab und begleitet das Brautpaar während ihres Auszugs.

Mit keinem anderen Musiker habe ich mehr Zeremonien gemeinsam durchgeführt als mit Antonio Malinconico, einem wahren Meister der klassischen Gitarre. (www.antonio.ch)

Mit keinem anderen Musiker habe ich mehr Zeremonien gemeinsam durchgeführt als mit Antonio Malinconico, einem wahren Meister der klassischen Gitarre. (www.antonio.ch)

Wem vier Lieder zuviel sind, kann die Trauung auch nur einmal mit Musik unterbrechen. Wer fünf Lieder ausgesucht hat und beim besten Willen auf keines verzichten kann, hat zwei Möglichkeiten: Entweder werden zu Beginn zwei Lieder gespielt: das erste um den Ton der Zeremonie zu setzen, direkt gefolgt vom Lied zum Einzug der Braut. Oder er kann zum Schluss zwei Lieder spielen: das vierte Lied nachdem der Hochzeitsredner den Gästen ein schönes Hochzeitsfest gewünscht hat und das fünfte und letzte Lied spielt ebenfalls direkt danach zum Auszug. In diesem Fall steht das Brautpaar dann einfach während des vierten Liedes vorne und schaut sich abwechselnd Gäste und Musiker an. Wenn man diese Version wählt, kann man als letztes Lied ein Instrumentalstück wählen. Das hat dann die elegante Folge, dass man nicht einem Sänger oder einer Sängerin den Rücken kehrt. Zwar sind sich das die Hochzeitssänger gewohnt, und so ist das nun mal bei Hochzeitszeremonien. Aber wirklich elegant ist es eigentlich nicht, nicht wahr? :-)

© Daniel Stricker zeremoniar.ch