Daniel Stricker in der 'Schweizer Familie'

Die Schweizer Familie ist auf meine Arbeit als Zeremoniar aufmerksam geworden. Ein kurzer Artikel allerdings auf der ersten Seite nach dem Inhaltsverzeichnis. Da besteht sicher die Hoffnung, dass bei 190'000 Auflage und 650'000 Lesern der eine oder andere von diesem Beruf erfährt. Denn erstaunlich viele Menschen wissen gar nicht, dass es diese Berufsgruppe gibt. Das weiss ich, weil ich nach Zeremonien immer wieder in erstaunte Gesichter blicke. Ich werde nämlich oft gefragt ob ich "ein Pfarrer" sei. Und wenn ich dann meine Arbeit erkläre, stosse ich zumeist auf Verwunderung - und Sympathie.

"DANIEL STRICKER, 44: "An mich wendet sich wer eine Feier ohne religiösen Hintergrund wünscht: Brautpaare, die keinen göttlichen Segen wollen, oder Hinterbliebene, die einen Verstorbenen ohne Pfarrer verabschieden möchten. Die traurigste Beerdigung erlebte ich, als ich meine Rede lediglich vor dem Testamentsvollstrecker und dem Friedhofsgärtner hielt. Da war niemand, der den Mann vermisste. An Hochzeiten will ich die Gäste zum Schmunzeln oder gar Lachen bringen. Ich gestalte den Anlass mit Anekdoten, die den besten Freund des Bräutigams nicht langweilen, die Grossmutter aber nicht schockieren. Jährlich führe ich etwa 50 Zeremonien durch. Von der Vorbereitung bis zur Umsetzung benötige ich 20 bis 25 Stunden. Ich möchte das Leben der Leute kennenlernen, über die ich spreche. Aus ihren Erzählungen schreibe ich eine Geschichte, die ich an der Feier vortrage. Und die Anwesenden hoffentlich berührt."