Heiraten auf dem Schiff: Die 4 Stolpersteine

Eine eigentlich wunderschöne Idee ist es, auf einem Schiff oder Boot zu heiraten. Gerade die vielen Schweizer Seen bieten dazu wunderbare Kulissen. Ich habe schon einige solcher Zeremonien leiten dürfen, und habe auch die Schwierigkeiten miterlebt, die mit einer Trauung auf Wasser miteinhergehen.

 

Platz für die "Bühne"


Die meisten Tische und Bänke sind - aus nachvollziehbaren Gründen - fix montiert. Nicht jedes Schiff bietet darum ausreichend Platz für eine "Bühne". Bei Schönwetter ist es seltener an Problem, da sich an Deck meistens die notwendigen Quadratmeter finden. Bei Schlechtwetter sind die Platzverhältnisse dann aber oft sehr beschränkt, gerade weil dann oft die Trauung im selben Raum stattfindet, wo im Anschluss auch der Apéro geplant ist. Man muss sich also bewusst sein, dass das Wetterglück bei einer Schiffstrauung noch wichtiger ist als bei den meisten alternativen Trauungsorten. Auch nicht zu unterschätzen: bei 30 Grad an der prallen Sonne auf einem Boot ist die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft oft sehr begrenzt. Romantische Stimmung kommt dann nur schwer auf.
 

Man sollte sich vor dem Buchen des Schiffes darüber informieren ob eine zusätzliche Anlage dazugemietet werden muss.


Akustik


Wenn die Trauung an Deck möglich ist, muss man unbedingt beachten, dass auf See sehr oft windige Verhältnisse herrschen. Auch wenn es sich um eine kleinere Trauung mit 20 - 50 Gästen handelt, kann ein Mikrofon und Verstärker bereits notwendig sein.

Auf den meisten Schiffen, auf denen ich Trauungen durchführte, gab es für Live-Musik keinen Platz, weshalb dann Musik ab Band gewählt wurde. Da ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Allerdings verfügen viele dieser Schiffe über eine mangelhafte Anlage, die - in Kombination mit Wind - für eher eine prekäre Akustik sorgen. Man sollte sich vor dem Buchen des Schiffes darüber informieren ob eine zusätzliche Anlage dazugemietet werden muss.
 


Kosten


Die Kosten für eine Schiffsmiete variieren je nach See und Schiffstyp erheblich. Billig ist es aber eigentlich nie. Die meisten Paare mieten ein Schiff daher nur für zwei oder drei Stunden. Dies kann dazu führen, dass die Trauung auf See inszenierter wirkt als es gewünscht ist: Man tuckert quasi auf den See hinaus um die Trauung zu vollziehen und geht dann ziemlich direkt wieder an Land. Das muss nicht schlimm sein, wenn das Anschlussprogramm ansprechend ist.

 

Pünktlichkeit


Falls es aufgrund von Stau oder einem anderen Grund dazu kommt, dass sich ein Gast verspätet, verpasst dieser Gast nicht nur die ersten fünf Minuten sondern eben die gesamte Zeremonie. Das sollte man den Gästen rechtzeitig mitteilen. In der Regel ist der zeitliche Rahmen eben eng gesteckt und der Käpt'n kann drum nicht auf verspätete Gäste warten. Wenn es nur irgendein Gast ist, ist das vielleicht verschmerzbar. Wenn es aber eine Trauzeugin oder die Brautmutter ist, kann das dann fast schon dramatisch sein. Natürlich sollte das nicht vorkommen. Ich habe es aber bereits einmal erlebt.
 

Andere Trauungsorte sind vielleicht weniger spektakulär, aber alles in allem vielleicht doch geeigneter um eine besinnliche Zeremonie zu leiten, die die Menschen berührt.


Fazit


Es ist weder günstig noch einfach, eine Trauung auf See schön zu gestalten. Man sollte dies meiner Meinung nach nur tun wenn das Traupaar sich aus irgendeinem Grund besonders mit dem Element Wasser besonders verbunden fühlt. Zeremonien auf See sind oftmals "unruhig". Nicht nur weil das Boot sich bewegt sondern weil es auch schwierig ist, Kinder zu "zähmen", die, verständlicherweise, am liebsten die ganze Zeit das Schiff erkunden möchten. Auch ist es bei heissem oder schlechtem Wetter sehr schwierig, eine romantische Atmosphäre zu schaffen. Wenn man die oben erwähnten Punkte berücksichtigt, kann eine Trauung auf dem Schiff allerdings wirklich ein einmalig schönes Erlebnis sein.