Der Leitfaden zu einer berührenden Zeremonie

Wer einen Zeremoniaren bucht, will eine Zeremonie, die ihn und die Gäste berührt. Damit das gelingt, müssen die Ingredienzen stimmen.


1. Höchstpersönlich!

Der Text muss den Protagonisten auf den Leib geschrieben sein. Die richtigen Anekdoten detailliert geschildert sind fast zwingend unterhaltsam. Ein guter Redner erzählt nicht bloss, dass das Brautpaar sich liebt. Er schildert stattdessen Episoden aus dem Alltag, die diese Behauptung belegen. Fast jedes Paar hat auch schwierige Zeiten erlebt. Man sollte sich nicht fürchten, diese anzusprechen. Aber die Maxime "nicht langweilen!" ist nur die halbe Wahrheit. Ich pflege zu sagen: Ein wirklich gelungener Zeremonientext ist so formuliert, dass der beste Kumpel sich nicht langweilt und die Grossmutter nicht schockiert ist.
 

2. Höchstens 45 Minuten!

Der einfachste Weg, nicht zu langweilen, ist, eine Rede so kurz zu machen, dass gar keine Langweile aufkommen kann. Damit eine Zeremonie berühren kann, benötigt man (oder zumindest ich) allerdings mehr als fünf oder zehn Minuten Zeit. "Man kann über alles reden, aber nicht über 45 Minuten". Dieser Satz gefällt mir - geplante Musik eingeschlossen . Eine Schullektion ist die Dauer, die jeder Mensch gewohnt ist und gut durchhält - und wenn die Zeremonie toll geschrieben und vorgetragen wird, ist es wie bei einem spannenden Fussballspiel: die Zeit geht flugs vorbei.


3. Mache einen 3-Akter!

Von den alten Griechen haben wir gelernt wie man packende Unterhaltung macht. Die meisten meiner Zeremonien haben ebenfalls drei Akte. Und dies ist kein Zufall:

Im ersten Akt wird die gemeinsame Geschichte erzählt. Anekdotisch, episodenreich. Mit genügend "Schmunzelstoff".

Der zweite Akt wird ein klitzekleines bisschen philosophisch: Ich wähle jeweils ein Thema, das das Brautpaar verbindet (ein Hobby, ein Liedertext, eine zentrale Eigenschaft) und nutze dieses Thema um nach dem locker-flockigen ersten Akt die Ernsthaftigkeit zu etablieren, die für den dritten Akt notwendig ist. (Grösste Stolperfalle ist die Meinung des Zeremonienmeisters, er müsse belehren. Die Menschen kommen nicht an eine Zeremonie, um sich belehren zu lassen sondern um den Tag zu Feiern (oder, im Falle einer Abdankung, dem Verstorbenen zu gedenken.) Wenn der Redner meint, er müsse dem Paar Eherezepte mit auf den Weg geben, kann das bei den Gästen Fremdschämen auslösen.


Macht einen Schritt aus der Komfortzone!

Im dritten Akt passiert dann die ganze Action: Im Idealfall ergreifen die Trauzeugen (oder andere Nahestehende) das Wort. Je unwohler sich die Trauzeugen fühlen, je schwieriger der Schritt aus ihrer Komfortzone ist, umso besser. (Was berührt wohl mehr? Eine beste Freundin, die zitternd oder gar schluchzend von einem Zettel abliest, oder Thomas Gottschalk, der einen brillant-galant-perfekten Zweiminüter hinlegt?)

Falls das Traupaar den Mut findet, ergreifen auch sie das Wort und tauschen sich ein Liebesbekenntnis aus. Das ist jeweils der Höhepunkt jeder Zeremonie. (Aber gleichzeitig auch eine ziemliche Zumutung. Es gibt schöne Alternativen, aber dazu mehr in einem späteren Artikel.)

Danach folgt das Eheversprechen. Idealerweise massgeschneidert, vom Brautpaar selbst erfasst. Siehe hierzu meinen umfassenden Ratgeber zum perfekten Eheversprechen.

Falls beide Ja sagen, folgt jetzt der Ringtausch. ;-) Da ist es schön, wenn ein kleines Kind nach vorne torkelt. Die Ringe können aber auch vorne auf einem Tisch stehen oder, auch schön, ein Trauzeuge reicht die Ringe.

Dann folgt der nächste Höhepunkt: der Kuss.


5. Ein guter Redner versteht zu schweigen!

Und jetzt geht es bei meinen Zeremonien jeweils sehr schnell. Fast umgehend verabschiede ich mich von den Gästen. Selten Rede ich länger als 30 oder 60 Sekunden. Denn ich will dass das Brautpaar noch vom Ja-Wort überwältigt den Auszug antreten. Der Auszug ist quasi die letzte Note im Stakkato.. Zu oft habe ich als Gast zusehen müssen,  wie dieser Moment vom Zeremonienleiter wieder zerredet wird. Denn ein guter Redner weiss vor allem wann er schweigen muss.

Wenn Ihr Fragen habt, schreibt mir einfach ein Mail an info@zeremoniar.ch. Und wenn Ihr mich für dieses Posting belohnen wollt teilt diesen Artikel oder schenkt mir ein Like auf Facebook. :-)